Historie

Entstehung und Entwicklung des Abwasserzweckverbandes
  • "Wasser ist der Quell des Lebens" - so lautet die anspruchsvolle, aber wahre Erkenntnis, wenn von der gefährdeten Umwelt geschrieben oder gesprochen wird.
  • Diese Lebensquelle zu erhalten, ist die Aufgabe des Abwasserzweckverbandes Mittlere Fils, zu welchem sich die Verbandsgemeinden zusammengeschlossen haben, um die in ihrem Bereich anfallenden Abwässer gemeinsam zu reinigen.
  • Durch die frühe industrielle Entwicklung von Textil- Papier und Lederfabriken an den Flüssen Fils und Lauter, wurde teilweise Produktionswasser den Flüssen entnommen und anschließend verschmutzt wieder eingeleitet. Am Zustand der Fils, die zum Abwasserkanal zu werden drohte, wurde der gestörte Wasserhaushalt jedermann offenkundig. Die Gefährdung unseres Grundwassers wurde jedoch rechtzeitig nur von jenen erkannt, die sich von amtswegen um die Sicherung des künftigen Wasserbedarfs sorgten.

Entstehung des Abwasserzweckverbandes 1951

  • Die Gemeinderäte von Salach und Süßen beschlossen 1951, ihre Kanalisationspläne aufeinander abzustimmen und ein gemeinsames Klärwerk zu planen.
  • Es gelang auch, die Verteter der abwasserintensiven Betriebe für den Gedanken einer gemeinsamen Abwasserreinigung zu gewinnen und eigene unzulängliche und unwirtschaftliche Bemühungen aufzugeben.

Entwicklung des Abwasserzweckverbandes 1951 - 1985

  • 1955 - Planungsauftrag an SAG
    Die Südd. Abwasserreinigungsgesellschaft mbH in Ulm erhält nach sorgfältigen Voruntersuchungen von beiden Gemeinden den Planungsauftrag für ein Sammelklärwerk in Salach unter Einschluß der zu erwartenden Abwassermengen von Donzdorf. Die Gemeinde Salach hat zu jenem Zeitpunkt schon begonnen, den Platzbedarf an der dafür günstigsten Stelle ihrer Markung durch den Ankauf vieler Einzelgrundstücke aus privater Hand zu sichern.
  • 1957 - Der von der Südd. Abwasserrreinigungsgesellschaft auf der Grundlage des Gutachtens von Dr. Jung, Niersverband ausgearbeitete Entwurf wird von den Gemeinderäten genehmigt. Nach dem mechanischen Teil soll vor der Biologie eine chemische Ausbaustufe nach dem Niersverfahren eingeschaltet werden.
  • 1958 - wird mit dem Bau des mechanischen Teils des Sammelklärwerks begonnen. Trotz Schwierigkeiten bei der Grundwasserabsenkung und bei der Auftriebssicherung des Pufferbeckens gehen die Arbeiten zügig voran. Mit der Herstellung des Hauptsammlers Salach-Süßen hatten die Gemeinden schon vorher den Anfang gemacht. Die chemische und bioliogische Ausbaustufen werden vorläufig zurückgestellt bis endgültige Abwassermengen und seine Zusammensetzung bekannt sind.

    Baugrube - Pufferbecken   Vordergrund: Pufferbecken / Hintergrund: Faulturm
  • 1959 - gründen Salach und Süßen den Zeckverband "Abwassereinigung Salach - Süßen" (Beteiligungsquote: Salach 57,5%, Süßen 42,5%). Den maßgebenden Industriebetrieben, von Anfang an beratend an der Planung beteiligt, wird ohne eigene Mitgliedschaft ein Mitspracherecht eingeräumt. Am Ende dieses Jahres bestand die mechanische Anlage ihre erste Bewährungsprobe. Der günstige Qualitätsausgleich im Pufferbecken läßt die Abbahme zu, daß auf eine chemische Ausbaustufe verzichtet werden kann.
  • 1961 - tritt die Gemeinde Donzdorf dem Verband bei.
    Die nach dem Trockenwetterzufluß bemessenen Beteiligungsquoten ändern sich.

    Salach:        51,65 %
    Süßen:        36,65 %
    Donzdorf:     11,70 %

    Donzdorf beginnt mit der Herstellung des Hauptsammlers nach Süßen.

  • 1963 - Die Fa. Lurgi empfiehtl als Ergebnis ihrer Abwasseruntersuchung, für die biologische Ausbaustufe das Bio-Floc-Verfahren zu verwenden. Wegen der hohen Bau- und Betriebskosten und der zu erwartenden Änderungen der Abwasserverhältnisse nach Anschluß eines wichrigen Industriebetriebes und weiterer Gemeinden entscheidet sich der Verband zu einer weiteren Versuchsreihe.
  • 1964 - Abwasserzweckverband Mittlere Fils ist nun die Bezeichnung des neuen Verbandes, nachdem  die Gemeinden Gingen und Kuchen dem vorherigen Verband beigetreten sind.
    Die Beteiligungsquoten ändern sich:

    Salach:        42,62 %
    Süßen:        28,60 %
    Donzdorf:     10,79 %
    Gingen:         8,58 %
    Kuchen:        9,41 %

    Die neuen Verbandsgemeinden Gingen und Kuchen, zuvor in einem eigenen Zweckverband zusammengeschlossen, bauen die Hauptsammler von Kuchen über Gingen nach Süßen aus.
  • 1967 - legt die Fa. Passavant ein weiteres Versuchsergebnis vor, in welchem die Oberflächenbürstenbelüftung für die biologische Reinigungsstufe und Kammerfilterpressen zur Frisch-Schlammentwässerung empfohlen werden. Das Ingenieurbüro SAG erhält den Planungsauftrag.
  • 1969 - Baubeginn der Schlammentwässerung
  • 1971 - Fertigstellung der Schlammentwässerung.
    Baubeginn der großen Längsbecken für die biologische Reinigungsstufe.
    Ende des Jahres wird Unterböhringen für seinen Ortsteil Oberböhringen Verbandsmitglied.
  • 1973 - Inbetriebnahme der biologischen Reinigungsstufe.

Sammelklärwerk Salach des AZV MIttlere Fils 1973

  • 1973 - Nach 15-jähriger Bauzeit ist das Sammelklärwerk Salach fertig geworden.
    Die drei großen Bauabschnitte gliedern sich ind die Funktionsstufen:

    - mechanischer Teil
    - biologische Ausbaustufe
    - Schlammentwässerung.

  • Kosten - Verteilt auf die 15-jährige Bauzeit kostete das Sammelklärwerk 10.853.202 DM.
    Die Verbandsgemeinden haben dazu Eigenmittel von 3,54 Mio. DM (32,7 %) aufgebracht. Das Land leistete eine Beihilfe von 1,64 Mio. DM (15,1 %). An ERP-Mitteln wurden 1,05 Mio. DM (9,7 %) gewährt. Vom Kapitalmarkt wurden 4,62 Mio. DM (42,5 %) beansprucht.
    Gegenüber dem Kostenvoranschlag von 10,65 Mio. DM ist die Endabrechnung um 203.202 DM (1,9 %) teurer geworden.
  • Leistungsfähigkeit - Nach eigenen Feststellungen und nach dem Ergebnis einer überörtlichen Überprüfung der biologischen Reinigungsfunktion, werden die in der Genehmigungsurkunde des Regierungspräsidiums vom 13.10.1958 festgelegten Richtwerte um 40 % unterschritten.
  • Wesentliche Teile der Gesamtanlage sind zweistufig ausgelegt. Es ist eine Betriebsreserve von 50 % berücksichtigt.
    Eine Erweiterung der Anlage für eine zweifache Abwassermenge ist möglich.
    Damit ist eine ausreichende Vorsorge für die Zukunft getroffen. Weitere Bereiche außerhalb des Verbandsgebietes können ebenfalls angeschlossen werden.

1985 - 1995

  • 1985  Das Planungsbüro SAG hat eine Studie zur Schlammausfaulung erarbeitet.
    Besichtigungen von Faulungsanlagen in der Scheiz und Österreich erfolgen.
  • 1986  Versuche zur Schlammaufbereitung mit polymeren Flockungsmitteln.
    Die SAG erhält einen Planungsauftrag über die Schlammausfaulung.
  • 1987  Variantenuntersuchungen zur Klärschlammbeseitigung.
    Verschiebung der Zuflußmengen zwischen den Verbandsgemeinden.
  • 1988  Hohe Aufwendungen für die Beseitigung des Klärschlammes bereiten Sorgen.
    Eine kreisweite Studie des Büros Fichtner über Klärschlammbeseitigung wird abgewartet.
  • 1989  Anschluß des Teilortes Winzingen der Gemeinde Donzdorf.
    Deponierung des Klärschlammes auf der Deponie Schafhof als Versuch.
    Modifiziertes SAG-Gutachten mit dem angestrebten Ziel zur Reduzierung der Schlammmenge durch Faulung. Ein hoher Investitionsbedarf ist notwendig.
  • 1990  Suche nach kostengünstigen Lösungen zur Klärschlammbeseitigung, 56 % oder 2,2 Mio. DM des Verwaltungshaushaltes entfallen darauf.
    Der Verbandssammler Uferstraße/Filsstraße in Salach wird erneuert.
    Der Verband entschließt sich zum weiteren Ausbau des Klärwerkes.
    Die SAG wird mit der Ausführungsplanung beauftragt.
  • 1991  Das Betriebswohngebäude des Klärwerkes wird saniert.
    Der Trend für die Kosten zur Klärschlammbeseitigung zeigt steil nach, so daß der Beschluß zur Faulung und Trocknung von Klärschlamm noch schlüssiger wird.
  • 1992   Für die Klärschlammabgabe gibt es drei Standbeine - Kompostierung auf der Deponie, Ausbringung in der örtlichen Landwirschaft und die Abgabe an die Fa. Hölzl zur Ausbringung in die überörtliche Landwirschaft.
    Das Erweiterungsprojekt (20 Mio -Paket) ist zurückgestellt, da die Bewilligungsbescheide ausstehen.
    Wegen Geruchsproblemen ist die Abdeckung des Voreindickers geplant.
    Sanierung der Kammerfilterpressen mit 1,2 Mio. DM.
    Die Restfinanzierung der Phosphatfällungsstation und die Einrichtung für eine Denitrifikationsstufe machen weitere Investitionen notwendig, um den Standard zu halten bzw. den gesetzlichen Vorgaben Rechnung zu tragen.
  • 1993 - 1994  Technische Verbesserungen und EDV-gestützte Steuerungsmöglichkeit führen zu Einsparungen u.a. zu der Reduzierung der Abwaserabgabe.

    Zur Geruchsreduzierung erhält der Schlamm-Voreindicker eine Kunststoffabdeckung. 
  • 1995  Die Entsorgung / Verwertung des Klärschlammes erfolgt zu 100 % über die Fa. Hölzl aus Rosenheim. Der Klärschlamm wird landwirtschaftlich verwertet.
    Die verbesserte Steuerungstechnik bewährt sich, Einsparungen an Chemikalien und Strom erfolgen.
    Es wird ein Ausbildungsplatz für Ver- und Entsorger (die heutigen Fachkräfte für Abwassertechnik) eingerichtet.
    Der Haushaltsplan dokumentiert den Willen des Verbandes, in der Reinigung wie in der Schlammbehandlung den aktuellen Anforderungen zu genügen.

Sanierung und Erweiterung des Klärwerk 1996 -1998

  • 1996  Für die Sanierung und Erweiterung des Klärwerks werden 17 Mio. DM veranschlagt. Der Spatenstich erfolgt im März 1996 durch die Bürgermeister der Verbandsgemeinden. Ziel ist, die Erweiterung bis Ende 1997 zu realisieren.
    Die Finanzierung erfolgt über Kredite als langfristiges Anlagevermögen.
    In den 90er- Jahren wird damit mehr investiert als in den Jahren von 1959 - 1989 zusammen.

    Die Baumaßnahmen sind:
  • Kpl. Neubau einer Rechen- und Sandfanganlage.
  • Umbau des vorhandenen Rund-Absetzbeckens zu einem Pufferbecken für Prozesswasser und für Störfälle im Abwasser (Öl , Säure, Laugen etc. bei evtl. Unfällen).
  • Austausch der Schlammräumer in den Vorklärbecken.
  • Austausch der Schlammsaugräumer in den Nachklärbecken.
  • Neubau eines Betriebsgebäudes mit neuer Leitwarte, Büro, Labor, Werkstatt und Sozialräumen.
  • Neubau einer Endkontrollstation (Messstelle und Onlinetechnik).
  • Neubau einer Schlammfaulungsanlage zur Reduzierung von Rohschlamm und Gasgewinnung.
  • Sanierung der Kammerfilterpressen und Einrichtung einer vollautomatischen Aufbereitungs- und Dosieranlage für die Flockungshilfmittel.
  • Sanierung der Außenfassaden vom Maschinengebäude und vom Frischschlammpumpengebäude.

    In einem umfangreichen Bebauungsplanverfahren wird das Klärwerksgelände samt Erweiterungsfläche abgesichert und Vorsorge für das nächste Jahrtausend getroffen.Die Baumaßnahmen zur Erweiterung verzögern sich etwas, dadurch fließen geringere Finanzmittel ab.

    Mittels Druckleitung wird der Teilort Bärenbach der Gemeinde Salach an das Verbandsklärwerk angeschlossen.

  • 1998  Die Baumaßnahmen werden abgeschlossen und es kann mit der Optimierungsmaßnahme begonnen werden.

    Durch einen weiteren Auszubildenden, einem Laboranten und einem Elektriker wird die Mitarbeiterzahl des Klärwerks verstärkt.

    Am Morgen des 7. September kommt es im zweiten Faulturm zu einer Gasexplosion. Dabei wurde der Faulturm völlig zerstört und die angrenzenden Gebäudeteile beschädigt.
    Wie durch ein Wunder wurde niemand ernsthaft verletzt. Der Sachschaden liegt bei 2 Mio. Mark.

    Die Explosion trat im Zusammenhang mit Schweißarbeiten auf, die im Bereich des Faulturmkopfes ausgeführt wurden. Überschüssiges Gas das in der Optimierungsphase an die Atmosphäre abgegeben wird, hatte sich zu einem explosiven Gas-Luftgemisch verbunden.
    Für den Teilabbruch, die Sanierung und die Neuinbetriebnahme wurde knapp ein Jahr benötigt.

    Die Ausfaulung und damit reduzierte Klärschlammmenge läßt günstigere Entsorgungskosten erwarten.

    Mit einem Tag der offenen Tür am 10. Oktober 1999 wird das 17 Millionen-Projekt der Bevölkerung vorgestellt.

Inbetriebnahme der neuen Schlammentwässerung 2004

  • In einer Studie wurde in den Jahren 1999 und 2000 untersucht, ob die Sanierung der bestehenden Kammerfilterpresse wirtschaftlicher als die Neuanschaffung einer Zentrifuge realisiert werden kann.
    Es wurden 5 verschiedene Varianten untersucht.
    Der Neubau von 2 Zentrifugen zur Schlammentwässerung wurde im Jahre 2004 als die wirtschaftlichste Lösung realisiert.
    Dieses Verfahren kann weitestgehend automatisch betrieben werden, so dass geringe Personalkosten anfallen.
    Die Schlammentwässerung erfolgt kontinuierlich, so dass eine nachgeschaltete thermische Trocknung problemlos betrieben werden kann.

Anschluß Waldstetten - Ortsteil Wißgoldingen 2013

  • Im November 2013 ist Waldstetten mit seinem Ortsteil Wißgoldingen dem Abwasserzweckverband beigetreten. Durch die Stilllegung der Papierfabrik Salach sind Kapazitäten frei geworden.

    Für die Wißgoldinger Kläranlage bestand dringender Handlungsbedarf. Eine grundlegende Sanierung, ein Neubau oder der Anschluß an das Klärwerk Salach standen zur Wahl.

Betonsanierung der Vor- und Nachklärbecken 2012 - 2015

  • Aufgrund einer Prüfung und Beurteilung unter betontechnologischen Gesichtspunkten von diversen Klärbecken wurde eine Betoninstandsetzung der  Vorklär- und Nachklärbecken durchgeführt.

Energieeffizienzkonzeption für das Klärwerk 2014 - 2016

  • Für das Klärwerk Salach wurde eine Energieeffizienzkonzeption erarbeitet. Es wurden Einsparpotentiale erkannt und entsprechend umgesetzt.

    Eine Verminderung des Strombedarfes ist u.a. in folgenden Bereichen möglich,

    1. Durchmischung der Faulbehälter (Umwälzpumpen).
    2. Kleinere Rücklaufschlammpumpen in der Nachklärung.
    3. Austausch der Betriebswasserpumpen.
    4. Separate Filtratwasserbehandlung.

    Die Maßnahmen 1 bis 3 wurden umgesetzt.


Solarstromanlage 2015

  • Seit November 2015 lässt der AZV die Sonne für sich arbeiten und erzeugt neben der Stromerzeugung durch die beiden BHKWs nun auch noch zusätzlich  Eigenstrom mit Photovoltaik.

    Die Gesamtanlage besteht aus 412 Modulen und hat eine Leistung von 105 kWp.

    Im Betriebsjahr 2016 konnten damit ca. 112.000 kWh Strom erzeugt werden.

  • Abwasserzweckverband Mittlere Fils
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